Bregy winkt ab, der Widerstand hält an – doch in einem ist man sich einig. Und Brentjong strahlt weiter


Auf der Satellitenbodenstation Leuk sollen 40 neue Antennen entstehen, doch das Vorhaben trifft auf Widerstand. Die Rede ist gar von einer «gespaltenen Gemeinde». Stimmt das wirklich?

Alain Bregy, Yvonne Schmidt, Hannah Schnyder-Etienne und Roman Kuonen (von links) vor einer Satellitenschüssel in Brentjong. Seit Juni sorgt ein Projekt bei der Satellitenbodenstation in Leuk für Gesprächsstoff. Bild pomona.media/Daniel Berchtold

Es gibt Ereignisse, da kann einzig von einem sprichwörtlichen Fiebertraum die Rede sein. Etwa, wenn Donald Trump an einer Fifa-Veranstaltung den Friedenspreis der Weltfussball-Organisation erhält. Und am Ende der Veranstaltung die «Village People» die LGBTQI+-Hymne «YMCA» spielen.

Doch auch im bedeutend kleineren, lokalen Rahmen entstehen Absurditäten dieser Art.

Nämlich dann, wenn an einer Urversammlung im Wallis über Elon Musk und die Weltpolitik diskutiert wird. Also dort, wo die Bevölkerung über Budgets, Brunnen oder Bushaltestellen befindet. Eigentlich.

Ein Donnerstagabend im Dezember in Leuk-Stadt. In der Aula des OS-Schulhauses findet die letzte Urversammlung der Gemeinde im Jahr 2025 statt. Diese steht gewöhnlich ganz im Zeichen des Budgets für das kommende Jahr. Doch in der Gemeinde Leuk findet sich ein Grossteil der rund hundert Anwesenden wohl wegen des Interesses am Traktandum 6 ein: «Verschiedenes».

Denn in derselben Woche wird bekannt: Die Gemeinde Leuk hat ein Baugesuch der Signalhorn AG, der Betreiberfirma der Satellitenbodenstation Leuk, bewilligt. Damit erteilt der Gemeinderat der Betreiberfirma der Satellitenbodenstation im Weiler Brentjong die Erlaubnis, bis zu 40 neue Antennen zu errichten – und zwar solche, wie sie etwa der Internetanbieter Starlink auf seinen Bodenstationen benötigt.

Als Elon Musk nach Leuk kam

Und so finden Elon Reeve Musk, der südafrikanisch-kanadisch-US-amerikanische Milliardär und Unternehmer hinter Starlink, und eine Urversammlung in einem Oberwalliser Dorf zusammen.

Rund einen Kilometer Luftlinie vom OS-Schulhaus in Leuk-Stadt entfernt stehen die mehr als 50 bestehenden Antennen der «Leuk Teleport & Data Center». So nennt die Signalhorn AG ihren Standort in Leuk seit einigen Jahren.

Die grössten der Antennen haben einen Durchmesser von 32 Metern, sind daher von Weitem sichtbar. Und so prägen sie als unverkennbares Merkmal seit Jahren das Ortsbild des historischen Städtchens ebenso sehr wie das Rathaus oder das Bischofsschloss.

Rund um die Station ist das stete Surren der Anlage zu vernehmen. Gelegentlich durchdringen Motorengeräusche eines Fahrzeugs den konstanten, aber kaum penetranten Geräuschteppich. Dann, wenn auf dem Parkplatz, knappe hundert Meter vom Eingangstor entfernt, ein Wagen vorfährt.

Aufgrund der Lage am Südhang des Rhonetals ist die Satellitenbodenstation Brentjong ein beliebter Ausgangspunkt für Spaziergänge in der Sonne. Davon hat es hier zur Genüge.

Doch neben der Satellitenbodenstation und der Sonne hat der Weiler Brentjong mit seinen rund 20 Einwohnern wenig zu bieten. Hier, 890 m ü. M., scheint die Welt in Ordnung, idyllisch. Und dennoch schafft es der Ort seit Juni 2025 immer wieder in die Schlagzeilen. Über die Landesgrenzen hinaus.

Blick über Häuser im Weiler Brentjong Richtung Antennen der Satellitenbodenstation. Während gerade mal rund 20 Personen in Brentjong wohnen, zählt der Weiler mehr als das Doppelte an Antennen. Bild: pomona.media/Daniel Berchtold
Der Blick Richtung Eingangstor der Satellitenbodenstation – vieles über sie ist bekannt, zu anderem existieren seit Jahren Spekulationen. Etwa zur Rolle im NSA-Abhörskandal. Bild: pomona.media/Daniel Berchtold

In einer nationalen Zeitung ist die Rede von einem «gespaltenen Bergdorf» – wobei letzterer Begriff für Leuk wohl etwas hoch gegriffen ist. Eine Westschweizer Publikation beschwört gar ein «Valais divisé», ein gespaltenes Wallis, herauf. Und internationale Medien zeichnen ein Bild, wie man es von der ersten Seite einer berühmten Comicreihe aus Frankreich kennt: Ein kleines Dorf setzt sich dem grossen Imperium entgegen.

Ganz so dramatisch geht es an der Urversammlung in Leuk nicht zu und her.

Und dennoch ist das Thema omnipräsent. Etwa, wenn der Gemeindepräsident von Investitionen in den Hochwasserschutz spricht. Vor Hochwasser habe er nämlich mehr Angst als vor «gewissen anderen Dingen». Mit solchen Aussagen macht er selbst jenen, die die Berichterstattung zu dem Projekt nicht mitverfolgt haben, klar, wo er steht.

Gespaltene Gemeinde? «Nein, laute Minderheit.»

Einige Stunden vor der Urversammlung im geschäftlichen Büro des Leuker Gemeindepräsidenten Alain Bregy (neo – Die sozialliberale Mitte). Die Schlagzeilen über seine Gemeinde machen ihm nichts aus, er winkt ab – von einer gespaltenen Bevölkerung will er nichts wissen. Selbst die Interessengemeinschaft «40 neue Satellitenantennen: Nein, so nicht», die bereits im Sommer gegründet wurde, sieht er nicht als Indiz für eine gespaltene Gemeinde. «Das ist eine laute Minderheit – ansonsten hätten sie etwas mehr als nur 300 Unterschriften für die IG zusammengebracht», sagt er.

Ende Mai 2025 legte die Gemeinde Leuk das Baugesuch der Signalhorn AG öffentlich auf – «Signalhorn AG – Demontage und Entsorgung der bestehenden Antenne Leuk-4, inkl. Sockelraum aus Beton, und Installation von 40 neuen Antennen im Bereich von Leuk-4». Wenige Tage vor einer Leuker Urversammlung im Juni machten Medien publik, was es damit auf sich hat. Und so war das Vorhaben bereits im Sommer Thema an der Urversammlung. Er sei von den Reaktionen überrascht gewesen, sagt Bregy dazu.

Für die neuen 40 Antennen soll die bestehende Antenne Leuk-4 (im roten Kreis) abgerissen werden. Bild: Screenshot/Google Earth
Und auf dem bestehenden Sockel sollen die neuen Antennen aufgebaut werden. Bild: zvg/ Archiv

Er steht auf der Terrasse seines Büros, öffnet die Satellitenfunktion, mit der sich das iPhone mit Satelliten verbinden lässt und anzeigt, wo sich diese gerade befinden, und streckt das Handy in die Luft. «Da – da fliegt genau jetzt ein Satellit über uns und sendet.» Für den Gemeindepräsidenten ist klar: Auf der Satellitenbodenstation in Brentjong soll eine moderne Technologie die bestehende aus den 70er-Jahren ersetzen. Jene, die in ebendiesem Moment aus dem All über Leuk auf die Erde sendet.

Neben Sorgen um die gesundheitlichen Folgen der Strahlen der Antennen äusserte sich die Bevölkerung damals zu Themen wie Trump, Musk oder dem Krieg gegen die Ukraine. Bregy erinnerte die Anwesenden daran, dass es sich um eine Urversammlung der Gemeinde Leuk handelt – «nicht um die weltpolitische Bühne».

Die Bedenken kann Bregy nicht ernst nehmen

Im Nachgang hiess es von seinen Kritikern, er nehme die Bevölkerung nicht ernst, habe die Diskussion verweigert oder gar unterdrückt. Dabei liegt es in seinem Naturell, Kontroversen sachlich anzugehen. Viele schätzen diese Direktheit, andere werfen ihm mangelnde Empathie vor. Alain Bregy absolvierte an der EPFL in Lausanne ein Studium zum Elektroingenieur. Seit über 20 Jahren ist er in der Strombranche tätig, mittlerweile als selbstständiger Berater. «Als naturwissenschaftlich denkender Mensch kann ich die Bedenken rund um die gesundheitlichen Risiken der neuen Antennen kaum ernst nehmen», sagt er.

Doch die Angst der Gegnerschaft könne er nicht besänftigen – «aber nur weil jemand Angst vor einem Hund hat, muss ich deshalb nicht auch Angst vor Hunden haben». Dass er die Bevölkerung nicht schütze, streitet er ab. Dafür gebe es Gesetze. «Sämtliche Dienststellen des Kantons sowie das Bundesamt für Kommunikation haben dem Baugesuch zugestimmt – also entspricht es besagten Gesetzen», so Bregy.

Mit dem Projekt der geplanten Bodenstation sieht er auch die wirtschaftliche Zukunft der Signalhorn AG mit Sitz in Leuk gesichert. Für den neo-Politiker ein wichtiger Punkt. Jeder Gemeindepräsident will Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sichern. Da tickt Bregy nicht anders.

 

Leuk sei eine schöne Wohngemeinde – «aber wirtschaftlich haben wir wenig zu bieten: Der grösste Arbeitgeber in der Gemeinde ist das Altersheim, der grösste Steuerzahler die Stromunternehmung FMV».

Kritik an seiner Vorgehensweise und seinem Politstil prallen an Bregy ab. Das war bereits während seiner Zeit im Kantonsparlament so. Dort politisierte er pointiert und kompromisslos. Vier Jahre lang war er Grossrat, ehe der einstige Hoffnungsträger der Gelben auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Der Politbetrieb in Sitten erschien ihm zu träge, zu schwerfällig.

Spitzbübisches Grinsen, trockener Humor

Auch als Gemeindepräsident bleibt Bregy direkt und unverblümt. Immer wieder schiebt er ironische Bemerkungen ein, ganz trocken, grinst spitzbübisch. Etwa wenn er mit der Kritik konfrontiert wird, dass die geplante Starlink-Bodenstation Leuk zu einem Angriffsziel bei Konflikten machen könnte. «Seid doch froh – dann gibt es keine Strahlen mehr», ist Bregys erste Reaktion darauf. Dann stellt er aber klar, dass er auch von diesem Argument wenig hält. Dass die Schweizer Armee die Satellitenbodenstation Brentjong bereits heute braucht, ist bekannt. Und seit Jahren wird spekuliert, welche Rolle die «Ohren von Leuk» im Irakkrieg oder beim NSA-Abhörskandal gespielt haben. Sollte eine Kriegspartei die Satellitenbodenstation Brentjong treffen wollen, sagt Bregy, so würde sie auch Brentjong treffen und nicht Leuk.

Alain Bregy bei der Satellitenbodenstation Brentjong. Wolle jemand diese attackieren, so würde er sie auch treffen. Bild: pomona.media/Daniel Berchtold

Das Baugesuch der Signalhorn AG betrachtete er von Anfang an pragmatisch und machte klar, dass die Gemeindeverwaltung es wie «jedes andere» behandle. Nach geltendem Recht, «nach bestem Wissen und Gewissen», wie er sagt. Und von Anfang an, dass es sich nicht um eine Abstimmungsvorlage handelt. «Manche scheinen da etwas zu verwechseln.»

Doch nicht nur dabei scheint es rund um das Projekt Verwirrung zu geben.

Schnell war in der Öffentlichkeit die Rede davon, dass Elon Musk plane, in Leuk «zu landen». Eingereicht hat das Baugesuch aber die Firma Signalhorn AG. Da das Bakom Musks Starlink eine Versuchskonzession ausgestellt hat und seit September die Starlink Switzerland GmbH im Walliser Handelsregister eingetragen ist, scheinen jegliche Zweifel, ob die geplanten Antennen auch wirklich von der US-Firma genutzt werden, ausgeräumt. Doch die Signalhorn AG sagte, angesprochen auf Musk und dessen Starlink, stets, sie äussere sich nicht zu ihren Kunden. Das Mutterunternehmen der Starlink Switzerland GmbH und dessen rechtliche Vertretung in der Schweiz liessen bisher sämtliche Medienanfragen unbeantwortet.

Dass der Name Elon Musk wohl als Katalysator für die mediale Aufmerksamkeit gewirkt hat, dessen ist sich auch Alain Bregy bewusst. Dennoch sagt er, dass die Gemeinde Leuk ein Baugesuch nicht danach beurteile, ob man mit den Verantwortlichen dahinter einverstanden sei oder nicht. Und er hält auch hier nicht mit Kritik an der Gegnerschaft des Projekts zurück: «Jene, die stets für Toleranz einstehen, sind plötzlich sehr intolerant, wenn jemand nicht in ihr Weltbild passt und ihre Ansichten nicht teilt.»

Der Gemeindepräsident, der keiner sein wollte

Alain Bregy macht kein Geheimnis daraus, dass er sein Amt als Gemeindepräsident nicht gesucht hat. Sollte ihn die Bevölkerung bei den nächsten Wahlen nicht wiederwählen, würde das sicher an seinem Ego kratzen, sagt er. «Aber dann hätte ich mehr Zeit dafür.» Mit seinem Kopf zeigt er auf den Billardtisch in seinem Büro.

Noch ist der 54-Jährige aber im Amt als Gemeindepräsident. Und als solcher führt er durch die Urversammlung vom Dezember. Nervös ist er deshalb nicht. Denn anders als im Juni sei er dieses Mal vorbereitet. Auf dem iPad zeigt er Folien seiner Präsentation. Jene, die er geplant zeigen wird. Und jene, die er im Falle einer Wortmeldung der Gegnerschaft vorbereitet hat.

Am Donnerstagabend um 19.30 Uhr eröffnet Bregy auf die Minute genau die letzte Urversammlung 2025 der Gemeinde Leuk. Kurz bevor er das Wort ergreift, trifft auch die Ärztin und Homöopathin Hanna Schnyder-Etienne in der Aula der Regionalschule ein. Hastig, aber dennoch mit bestimmtem Schritt.

Schnyder-Etienne ist, seit das Projekt in Brentjong publik ist, an der Spitze des Widerstands. Im November gründete sie gemeinsam mit Roman Kuonen, ebenfalls Arzt, den Verein «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk». Er ging aus der Interessengemeinschaft «40 neue Satellitenantennen: Nein, so nicht» hervor.

Hanna Schnyder-Etienne und Roman Kuonen – lebenslange Vorreiter

Einige Tage nach der Urversammlung treffen sich Hanna Schnyder-Etienne und Roman Kuonen, das Co-Präsidium des Vereins «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk», in einem Nebenraum der Arztpraxis Chabloz in Leuk-Stadt. Während der 70-jährige Kuonen sich mittlerweile in Pension befindet, arbeitet Schnyder-Etienne nach wie vor in einem Teilzeitpensum als Homöopathin. Ende der 80er-Jahre haben die beiden die Praxis Chabloz gemeinsam mit der Ärztin Tildi Zinsstag gegründet.

Fast vierzig Jahre später sitzen sie nun dort. Und kümmern sich gemeinsam um die Agenda, um den Widerstand gegen die geplante Starlink-Bodenstation im Wallis. Roman Kuonen blickt zu Hanna Schnyder-Etienne und sagt: «Wir müssen es sehen, wie es ist: Wir sind in unserem Leben oft vorausgegangen.» Etwa, als die Praxis Chabloz bei ihrer Gründung die erste reine Hausarzt-Gruppenpraxis im Oberwallis war. Und von Anfang an die Komplementärmedizin einbezogen hat. Eine Krone, sagt Kuonen, bräuchten sie dafür aber nicht.

Roman Kuonen und Hanna Schnyder-Etienne kennen sich seit mehreren Jahrzehnten. Bild: pomona.media
Ende der 80er-Jahre gründeten sie gemeinsam mit Tildi Zinsstag die erste reine Hausarzt-Gruppenpraxis im Wallis. Und ein Nebenraum ebendieser Praxis dient ihnen heute unter anderem als Sekretariat für den Verein «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk». Bild: pomona.media

In ihrem Leben oft vorausgegangen, geht es ihnen beim Baugesuch der Signalhorn AG vor allem darum, vorauszuschauen. Ganz nach dem medizinischen Credo: «Vorbeugen ist besser als Heilen.»

Als Ärzte haben sich Schnyder-Etienne und Kuonen ein Leben lang fortgebildet, mussten sich an neue Technologien und Arbeitsweisen anpassen. Den Vorwurf, sie würden mittlerweile den technologischen Fortschritt bremsen wollen, bezeichnen sie als lächerlich.

Für sie sind aber das Tempo und der technologische Sprung zwischen bestehenden und geplanten Antennen entscheidend: Während das Projekt nach Ansicht der Verantwortlichen und Befürworter nur einen Fortschritt der Technologie darstellt, sprechen Schnyder-Etienne und Kuonen von einem Quantensprung.

Hanna Schnyder-Etienne kritisierte das Projekt bereits vor der Urversammlung im Dezember öffentlich – etwa an jener Versammlung im Juni wie auch an der Informationsveranstaltung der Signalhorn AG im selben Monat. Von dieser zeigt sie sich rückblickend wenig begeistert. «Es gab keine konkreten Informationen – etwa wie stark die Strahlung der neuen Antennen ist.» Von Anfang an bemängelte sie, dass das Antennendiagramm dem Baugesuch nicht beigelegen hat. So könnten sie nicht beurteilen, wie viel stärker die geplanten Antennen als die bestehenden strahlen.

«Warum wird erst gebaut und danach geforscht?»

Mittlerweile ist die Baubewilligung erteilt und auch das Bakom hat der Versuchskonzession für Starlink zugestimmt. «Und erste Grundlagenforschungen», sagt Schnyder-Etienne, «sollen in den Jahren 2026 oder 2027 erfolgen. Warum wird erst gebaut und danach geforscht?»

Sie vergleicht die Situation mit jener der Gegner der 5G-Antennen. Hanna Schnyder-Etienne sprach nicht gegen diese ein. Doch sie sagt, dass die 5G-Kritiker recht bekommen hätten – «fünf bis zehn Jahre später, als die ersten Forschungsergebnisse vorlagen!».

Schnyder-Etienne bezieht sich auf eine Studie im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation. Die Resultate der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen hochfrequenter Strahlung, wie jener des 5G-Netzes, und Krebsrisiken wurden im Mai 2025 publiziert. Die Auswertung zeigt, dass bei Einhaltung der schweizerischen Grenzwerte bei Tieren kein erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen werden konnte – ausser bei Hirn und Herz.

Doch Hanna Schnyder-Etienne kritisiert, dass die Grenzwerte in der Schweiz bereits heute sehr hoch liegen würden. Und solange vor allem die Streustrahlung der geplanten Antennen nicht bekannt sei, könne man die gesundheitlichen Risiken kaum abschätzen.

Das Gespräch in der Arztpraxis wollten Schnyder-Etienne und Kuonen anfänglich über Zoom machen. Am Laptop, verbunden über das globale Netz. Also Strahlung ausgesetzt. Doch die Strahlung der geplanten Starlink-Bodenstation in Brentjong unterscheide sich in einem bedeutenden Punkt von jener, die von Wi-Fi oder 5G ausgehe: Nutzerinnen und Nutzer könnten sich bei Letzteren selbst entscheiden, wann sie sich der Strahlung aussetzen, sagt Roman Kuonen. Handys, Wi-Fi-Router oder mobile Daten könne jeder selbst ein- oder ausschalten. «Doch bei dieser Station in Brentjong», sagt Kuonen, «kann niemand eingreifen.»

Und dies bringt die Co-Präsidentin und den Co-Präsidenten zu ihrer nächsten Sorge. Die Rolle des Geldes, der Macht und des digitalen Imperialismus.

Die letzten sechs Monate beschäftigten die beiden sehr. Bild: pomona.media

«Die Fremdbestimmung ohne Rücksicht auf irgendjemanden, das imperialistische Gebaren – das geht mir unglaublich auf die Nerven», sagt Roman Kuonen. An wen er sich richtet, ist klar: Elon Musk – obwohl Kuonen wie auch Schnyder-Etienne ausdrücklich sagen, dass die gesundheitlichen Sorgen den Ausschlag für ihr Engagement gaben. Dennoch bemängeln sie, dass die Schweiz bereit sei, entsprechende Infrastruktur an ausländische Unternehmen zu verkaufen, um deswegen in die weltpolitische Bühne einbezogen zu werden.

Das lässt sich kaum auf kantonaler und noch viel weniger auf kommunaler Ebene regeln. Und deshalb will der Verein, weit mehr als das Projekt in Brentjong zu verhindern, eine nationale Debatte lancieren. Eine nationale Gesetzgebung soll her. Sodass nicht eine kleine Oberwalliser Gemeinde allein über entsprechende Gesuche entscheiden müsse.

Die Meinungen von Gemeindepräsident und dem Co-Präsidium des Vereins «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk» könnten verschiedener nicht sein. Doch in einem sind sie sich einig: Die Spaltung in Leuk sei kaum so dramatisch wie in verschiedenen Medien geschrieben. Kuonen, der zwar mittlerweile nicht mehr in Leuk lebt, kann nach wie vor ungestört durchs Dorf laufen. Und Hanna Schnyder-Etienne sagt sogar, dass sie in ihrem Umfeld vor allem auf Zustimmung trifft – «viele sind besorgt».

In einer Sache ist man sich in Leuk einig

Zu Gesprächen zwischen Gegnerschaft und Gemeindepräsident kam es auch abseits von Ur- und Infoveranstaltungen. Und da alle sagen, man könne sich immer noch gegenüberstehen und miteinander sprechen, stimmen die Beteiligten auch einem gemeinsamen Treffen zu.

Zweiter Weihnachtstag in Brentjong. Hanna Schnyder-Etienne und Roman Kuonen erscheinen zum Treffen bei der Satellitenbodenstation gemeinsam mit Yvonne Schmidt, der Vorstand in corpore ist da. Als Alain Bregy eintrifft, schütteln sich alle die Hände, wünschen sich frohe Feiertage. Als die Gruppe gebeten wird, für ein Foto zu diskutieren, ist das Thema schnell klar – die geplanten neuen 40 Antennen.

Und genauso schnell scheint die Idylle Brentjongs verschwunden.

Hanna Schnyder-Etienne, Alain Bregy, Yvonne Schmidt und Roman Kuonen (von links): Ihr Gesprächsthema ist schnell klar. Bild: pomona.media/ Daniel Berchtold
Und auch wenn die Meinungen von Grund auf verschieden sind… Bild: pomona.media/Daniel Berchtold
… man hört sich zu. Bild: pomona.media/Daniel Berchtold

Gesagt wird wenig Überraschendes, die Meinungen sind gemacht. Und doch zeigt sich Roman Kuonen verständnisvoll für das Handeln der Gemeinde. Als kommunale Behörde müsse sie sich auf die Meinungen der Dienststellen und des Bakom verlassen. Allerdings bemängeln sowohl Schnyder-Etienne als auch Roman Kuonen, dass die politische Brisanz des Baugesuchs durch die Gemeinde nicht erkannt wurde.

Bei dem Treffen in Brentjong macht Alain Bregy bald aber auch klar: Für ihn und den Gemeinderat ist das Thema vom Tisch. Mit der Beschwerde gegen den positiven Bauentscheid müsse nun der Staatsrat darüber entscheiden. Da der Verein «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk» mittlerweile aber eine nationale Diskussion zu dem Thema anstossen will, dürfte sehr wahrscheinlich auch in Sitten nicht Schluss sein.

Während beide Seiten kaum bereit scheinen, zum jetzigen Zeitpunkt von ihrer Auffassung abzukommen, können trotzdem alle noch gemeinsam lachen. Etwa darüber, dass eine Berliner Tageszeitung Leuk als «Bergdorf» bezeichnet. Oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Rede von der Satellitenbodenstation «Loèche-les-Bains» ist.

Doch gemeinsame Lacher hin, Bergdorf oder nicht her – als sich Alain Bregy, Hanna Schnyder-Etienne, Roman Kuonen und Yvonne Schmidt beim Parkplatz verabschieden, wird weiter diskutiert. Von Weitem ist einzig das Wort «Starlink» zu vernehmen.

Auch an der Urversammlung scheinen die Akteure kaum einen Schritt aufeinander zuzumachen.

Nachdem Hanna Schnyder-Etienne die Standpunkte der Gegnerschaft der geplanten Bodenstation darlegt, stellt sich Gemeindepräsident Alain Bregy erneut ans Rednerpult. Alle Aussagen könne er so nicht stehen lassen. Er präsentiert seine zusätzlichen Folien als Replik auf die rund 15-minütige Wortmeldung von Hanna Schnyder-Etienne.

Etwas später steht ein älterer Herr auf.

Er erkundigt sich, was denn eigentlich aus der Petition zur LLB-Haltestelle Hammerschmiede in Leuk-Stadt wurde.

Dieser Text ist zum ersten Mal im Walliser Boten vom 13. Januar 2026 erschienen.