Die Kühe zogen von der Obern Galm nach Guttet – «Wir wollen der Bevölkerung etwas zurückgeben»


Der neue Pächter der Alp Obern Galm zog am Samstag mit seinen Kühen nach Guttet. Ein Spektakel, wie es das Wallis nur wenig kennt.

Selbst die Jüngsten trugen zum traditionellen Alpabzug eine Tracht.

Die «Lätzi Tolu» in der Gemeinde Guttet-Feschel – ein ruhiger Ort, etwas oberhalb des Dorfes Guttet. Dass in der «Postkarten-Bergwelt-Idylle» der Lätzi Tolu Kuhglocken zu hören sind, liegt eigentlich auf der Hand. Dennoch war am Samstagmorgen etwas anders. Denn so viele Kuhglocken auf einmal, deren Geläut stets näher kommt – vergleichbar mit Trichjiern an einem Fasnachtsumzug –, sind selbst bei der Lätzi Tolu aussergewöhnlich. 

Es stand der Alpabzug von der Alp Galm an.

Nach einem kurzen Abstecher nach Guttet traf der Zug des Alpabzugs bei der Lätzi Tolu ein. Und das kaum überhörbar…

Damit ging die erste Saison von Gabriela und Robert «Röbi» Fischli als Pächter der Alp zu Ende. «Wir liefen voller Stolz von der Obern Galm nach Guttet und zur Lätzi Tolu – die Tiere und das Alppersonal sind gesund zurück. Da kann man nur stolz sein», sagte Robert Fischli, angekommen am Ziel bei der Lätzi Tolu. 45 Tiere brachte der St. Galler gemeinsam mit seiner Familie und seinem Team vom Sommerquartier zurück. Noch weilen einige Rinder auf der Obern Galm. Aber spätestens, wenn die Fischlis gegen Ende September abreisen, werden auch die Rinder zurück in den Kanton St. Gallen reisen.

Robert Fischli kam zum ersten Mal 2023 auf die Alp oberhalb von Guttet-Feschel. Und zwar durch das Alpofon, ein Angebot der IG Alp, das unter anderem bei kurzfristigem Personalausfall vermittelt. 2023 sei ein Pechjahr für seinen Vorgänger gewesen, so Fischli. Daher habe er sich angeboten, zu helfen. Auch Fischlis Tochter, Mirjam, kam damals mit ihm ins Oberwallis. Wie ihr Vater «verliebte» sie sich in die Alpe Galm. Es war die erste Alp, auf der Mirjam längere Zeit verbracht hatte.

Familiensache: Tochter Mirjam und ihr Vater Robert Fischli.

Robert Fischli verbringt ebenfalls, seit er Kind ist, seine Sommer auf der Alp. In seiner Ostschweizer Heimat ist es dann Tradition, zum Ende der Alpsaison einen Alpabzug zu organisieren. Das gehöre einfach dazu – «und deshalb wollten wir auch hier einen Alpabzug organisieren. Als Dank an unser Team und an die Leute aus der Region Guttet-Feschel – wir wollen ihnen etwas zurückgeben.»

Ein Alpabzug mit geschmückten Tieren ist im Wallis selten, erst recht im oberen Kantonsteil. Und so war dann auch das Interesse der Bevölkerung da.

Der farbenfrohe Blumenschmuck der Kühe der Familie Fischli – man sieht ihn im Oberwallis selten.
Einmal bei der Lätzi Tolu angekommen, war der Hunger gross. Verständlich.
Robert und Gabriela Fischli auf den letzten Metern des Alpabzugs.

Etwa Katja Häsler, die ihre Eringer auf derselben Alp wie Fischli gesömmert hatte, wartete in der Lätzi Tolu auf die Ankunft der Tiere. «Der Alpabzug ist ein schönes Erlebnis, er gibt uns die Möglichkeit, zusammenzukommen und gemeinsam einen schönen Abschluss zu feiern.» Und die geschmückten Tiere, mit den grösseren Glocken als im Wallis üblich, finde sie wunderschön. Ob ihre Eringer in Zukunft auch mit Blumenschmuck von der Alp zurückkehren, beantwortete Häsler mit einem Lachen – «vielleicht!».

Ebenfalls an die Lätzi Tolu zog es am Samstag Heinz Kobel, auch er ist seinerseits Eringerbesitzer. Seit einiger Zeit wohnt Kobel in Bratsch, Robert Fischli kennt er vom Restaurant Zum Chüäschtall, das Fischli auf der Alp Obern Galm ebenfalls betreibt. Kobel schätzt den Alpabzug als Tradition sehr – «der Sommer ist vorbei, die Tiere sind zurück und der Winter naht. Nach dem Alpabzug gehe ich mit einem guten Gefühl nach Hause.» Er bedauert, dass die Tradition verloren geht. Aber heutzutage sei es schwierig, mit Kühen durch die Dörfer zu ziehen. «Macht eine Kuh eine Beule in einem Auto, so zahlt dir das als Besitzer des Tieres keine einzige Versicherung», so Kobel, der seine Kühe in Colombire im Unterwallis sömmert. Wolle man dennoch einen Alpabzug organisieren, müsse man die Kühe am Halfter führen – «das ist kaum dasselbe», so Kobel. Und er wünscht sich auch etwas mehr Interesse seitens der Bevölkerung. «Als wir früher einige unserer Tiere bekränzt hatten, standen in Chandolin etwa sechs Leute an der Strasse.»

In Guttet-Feschel dürfte es aber auch im nächsten Jahr zu einem Alpabzug kommen. Robert Fischli sagte nach seinem ersten Alpabzug im Oberwallis nämlich: «Wenn es unsere Gesundheit erlaubt, würden wir gerne mehrere Sommer hier verbringen dürfen.» Auch Tochter Mirjam, die heuer neun Wochen auf der Obern Galm verbrachte, würde sich freuen, zurückzukehren. Zu Hause im Kanton St. Gallen sehe sie sich nach ihrem Oberwalliser Sommer allem voran mit einer Frage konfrontiert: ob sie die Walliser verstanden habe. Ihre Antwort: «Man gewöhnt sich schnell daran!»

Nachdem Fischlis Team dann allen Tieren die grossen Glocken abgenommen hatte, was zumindest bei manchen Tieren Beine und Nerven beanspruchte, hiess es für die Kühe: ab in die Transporter. Zwei Anhängerzüge mit jeweils zwei Anhängern fuhren die Tiere zurück in die Heimat.

Auf, auf in die Transporter – ob die Kühe wohl wissen, dass es zurück nach St. Gallen geht?
Wie am Autoverlad gab es auch beim Verlad der Kühe Stau und Wartezeiten. Sie nahmen es aber bedeutend gelassener.
Und in diesen Transportern fuhren die Tiere nach einem Sommer im Oberwallis zurück nach Hause, nach St. Gallen

Dieser Text erschien zum ersten Mal im Walliser Boten vom 18. September 2025.